Mehr als 20 Jahre schon ist sie fester Bestandteil der Gartenschau-Szene: Hanne Roth aus Ingolstadt. Seit 1993 übernimmt die Diplom-Ingenieurin für Landespflege regelmäßig die Planung von Frühjahrs- und Sommerflor sowie von Staudenflächen auf Landesgartenschauen in Bayern. Eine Erfahrung, die sie nun auch in die Planungen der Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 einbringt – mit Begeisterung, Fachwissen und einer ordentlichen Portion „Gartenschau-Virus“.
Dass sie in Bad Windsheim den Zuschlag für die Planung und Begleitung der Wechselflorflächen erhalten würde, war keineswegs selbstverständlich. „Die Würfel fallen immer wieder neu – man kann nicht sicher sein, dass man die Ausschreibung gewinnt. Am Ende muss man die Jury überzeugen“, sagt Roth. Und sie hat überzeugt. Nicht zuletzt Tobias Schmidt, Leiter der Stadtgärtnerei Bad Windsheim, sprach sich für die erfahrene Planerin aus: „Sie überzeugt durch ihre hohe fachliche Kompetenz – und man merkt sofort, dass sie genau weiß, was sie tut.“
Zuletzt war Roth bei der Landesgartenschau Furth im Wald 2025 im Bayerischen Wald im Einsatz. Dort stellten vor allem die Höhenmeter eine besondere regionale Herausforderung dar. Nicht so in Bad Windsheim: Hier ist es vor allem die phasenweise Trockenheit der Region, die Roth bei ihrer Planung im Blick haben muss.
Wirkung trotz Trockenheit
Bad Windsheims Niederschlagsmenge ist im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands eher gering, besonders in den Sommermonaten zeigt sich die Stadt oft trocken – eine Herausforderung für Hanne Roth. „Der Wechselflor hier ist speziell, was das Thema Ressourcenschonung angeht. Man muss Pflanzen auswählen, die auch mit weniger Wasser zurechtkommen“, erklärt sie.
Dabei profitiert sie von ihrer langjährigen Erfahrung aus vergangenen Gartenschauen: Entscheidend ist eine standortgerechte Platzierung der Pflanzen und dass sie auf eine Art in die Erde gesetzt werden, die einen schnellen Bodenschluss ermöglicht. Auch die Bewässerung spielt eine zentrale Rolle – lieber seltener, dafür durchdringend gießen, um tiefes Wurzelwachstum und damit eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenperioden zu fördern.
Zudem setzt Roth verstärkt auf Wildpflanzen, die zwar dezenter in der Farbe sind, aber robuster auf trockene Bedingungen reagieren, während leuchtende, einjährige Arten stärker unter Wassermangel leiden. „Es ist ein Grenzgang. Es gibt Bereiche, wo es klappen kann, weniger zu gießen. Bei anderen Bereichen brauchen die Pflanzen mehr Wasser. Das Ziel ist es, insgesamt so ressourcenschonend wie möglich zu arbeiten.“ Letztlich gehe es darum, eine Balance zwischen gestalterischer Wirkung und einem sparsamen Einsatz von Gießwasser zu finden. „Hinterher können die Menschen sagen, ob es mir gelungen ist“, erklärt sie lachend.
Ein ausgeprägter Frühling – ein ebenso ausdrucksstarker Sommer
„Das Besondere am Bad Windsheimer Pflanzkonzept ist der ausgeprägte Frühjahrsflor, der sich zu einem ebenso ausgeprägten Sommerflor wandelt“, erklärt Roth. Zur Eröffnung der Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 am 29. April 2027 werden Zwiebelpflanzen und einjährige Frühjahrsblüher das Gelände in Szene setzen und die Besuchenden willkommen heißen. Ab Mitte/Ende Mai – nach den Eisheiligen – folgt dann der nächste große Schritt: Der Sommerflor wird gepflanzt. Er wird bis zum Ende der Gartenschau am 3. Oktober 2027 seine volle Pracht entfalten und das Gelände kontinuierlich verwandeln.
Denn genau darin liegt die besondere Handschrift von Hanne Roth: Ihre Pflanzungen verändern sich ständig. „Sie verändern permanent ihr Aussehen im Wuchs. Anfangs blühen viele Pflanzen, um von Anfang an Farbe zu bringen. Da diese jedoch niedrig sind, werden sie langsam von anderen überwachsen, die etwas länger brauchen.“
Roth arbeitet mit etablierten Pflanzenarten – jedoch in neuen, überraschenden Kontexten. Farben, Strukturen und Wuchshöhen greifen ineinander, bauen sich auf, lösen sich ab. Und zum Finale setzt die Natur selbst noch einen drauf: Die Herbstfärbung bringt zum Ende der Gartenschau nochmals ganz eigene, warme Farbtöne ins Spiel.
Laut, bunt – und voller Leben
Apropos Farben: Für den Kurpark, das blau-grüne Herz und den Landschaftspark entwickelt Hanne Roth farblich abgestimmte Konzepte. Laut und bunt sollen sie sein – und mit dem klaren Ziel, die Besuchenden ins Gelände zu locken. Blühflächen werden so zu lebendigen Magneten – zu Orten, an denen man verweilt, staunt, fotografiert und immer wieder Neues entdeckt.
Mehr als nur Planung: Begeistern, vernetzen, koordinieren
Doch die kreative Planung ist nur ein Teil ihrer Arbeit. Hanne Roth bestückt die vorgegebenen Flächen mit konkreten Pflanzvorschlägen, erstellt detaillierte Listen und geht aktiv in den Austausch mit Gärtnereien. Ihre große Aufgabe: Gärtnerinnen und Gärtner für das Projekt begeistern. Da es immer weniger Betriebe gibt, die die Gartenschau neben ihrem Tagesgeschäft stemmen können, nimmt Roth hier eine zentrale Rolle ein.
Möchte eine Gärtnerei sich an der Arbeit am Wechselflor beteiligen, muss sie sich im Rahmen einer offiziellen Ausschreibung der Bayerischen Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 GmbH bewerben. Den Zuschlag erhalten – ähnlich wie bei Roth selbst – diejenigen Betriebe, die die festgelegten Vergaberichtlinien am überzeugendsten erfüllen.
Der große Moment im Herbst
Auf einen Termin freut sich die Ingolstädterin besonders: der „Tag X“ im kommenden Herbst. Dann werden die Blumenzwiebeln ausgelegt. Hanne Roth wird selbst mit anpacken und gemeinsam mit den Gärtnerinnen und Gärtnern die Zwiebeln stecken.
Der Frühjahrsflor wird dann im März/April 2027 gesetzt und zur Eröffnung seine ganze Strahlkraft entfalten.
Über 20 Jahre Leidenschaft – und kein Ende in Sicht
Den Wechselflor auf Gartenschauen zu planen, begeistert Hanne Roth bis heute: „Keine Pflanzung gab es zwei Mal, immer war etwas Neues dabei – selbst, wenn manche Pflanzen besonders verlässlich sind und deshalb wiederkehrend dabei sind.“
Seit 1993 widmet sie sich regelmäßig dieser Aufgabe. Wie viele Gartenschauen sie inzwischen begleitet hat? Sie hat aufgehört zu zählen, sagt sie lachend. Was jedoch bleibt, ist die ungebrochene Begeisterung. Der Gartenschau-Virus hat sie fest im Griff – und Bad Windsheim 2027 darf sich freuen, davon angesteckt zu werden.