Der Kurpark in Bad Windsheim bekommt ein neues Gesicht – und bleibt dabei ganz er selbst. Im Zuge der Vorbereitungen auf die Bayerische Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 wird Bayerns größter denkmalgeschützer Kurpark umfassend und nachhaltig aufgewertet. Zentraler Bestandteil dieser Maßnahmen ist die dringend notwendige Sanierung des Wegesystems.
Wer zuletzt durch den Kurpark spaziert ist, merkte schnell: Risse und Unebenheiten im Asphalt trüben das Bild und erschweren das Flanieren. Mit Blick auf die Landesgartenschau nutzt die Stadt nun die Chance, diese Bereiche umfassend zu erneuern – und das zu großen Teilen gefördert. So entsteht Schritt für Schritt ein Kurpark, der noch mehr zum Verweilen, Entdecken und Genießen einlädt. „Diese Allee liegt uns sehr am Herzen – deshalb wenden wir viel Zeit und Sorgfalt auf, um sicherzustellen, dass die Bäume keinen Schaden nehmen“, betont Robert Sitzmann, verantwortlich für den Bau der Daueranlagen bei der Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 GmbH.
Schutz der historischen Bäume hat höchste Priorität
Der Kurpark ist geprägt von seinem wertvollen Altbaumbestand – die ältesten Bäume wurden bereits 1740 gepflanzt und prägen bis heute das Erscheinungsbild der historischen Allee.
Damit das auch noch viele Jahre so bleibt, begleitet ein erfahrenes Team rund um den Baumsachverständigen Johannes Pätzold als Umweltbaubegleitung die Bauarbeiten. Mit geschultem Blick und viel Fingerspitzengefühl sorgen er und seine drei Mitarbeiter – „seine Jungs“, wie er sie nennt – dafür, dass die Eingriffe ins Wurzelwerk so gering wie möglich bleiben. Kleine rote Fähnchen und Holzstäbchen im Boden zeigen beispielsweise an, wo empfindliche Wurzeln verlaufen – eine einfache, aber wirkungsvolle Hilfe für die Bauarbeiten.
Wo dennoch Wurzeln betroffen sind, erfolgt eine fachgerechte Versorgung. Leichte Verletzungen können Bäume selbst ausgleichen, bei stärkeren Eingriffen sorgen gezielte Maßnahmen wie saubere Schnittstellen und Wundversiegelung für eine optimale Regeneration. „Bäume können mit Wunden auf vielfältige Weise umgehen – ober- wie unterirdisch.“, erklärt Pätzold. „Viele kleinere Eingriffe gleichen sie selbst wieder aus.“ Und wo Unterstützung nötig ist, wird behutsam nachgeholfen – immer mit dem Ziel, die Vitalität der Bäume langfristig zu sichern.
Minimaler Eingriff – maximale Wirkung
Die Bauweise mit verminderter Aufbauhöhe der neuen Wege ist bewusst auf den Schutz der Bäume ausgelegt. Um die notwendige Stabilität der Wege zu gewährleisten, werden diese leicht erhöht aufgebaut. Dieser Kompromiss ermöglicht eine funktionale und zugleich baumschonende Umsetzung und sorgt dafür, dass die Wege stabil und langlebig bleiben.
Sollte es ausnahmsweise doch einmal stärkere Eingriffe in den Wurzelreich notwendig werden, wird jeder Baum genau untersucht. In seltenen Fällen kommt dabei sogar eine Art „Sturmtest“ zum Einsatz, um die Standfestigkeit zu prüfen. Zeigt sich dabei, dass die Standsicherheit des Baums nicht vollständig gewährleistet werden kann, greifen die Fachleute behutsam ein – etwa durch eine gezielte Kroneneinkürzung. Diese reduziert die Angriffsfläche für Wind und hilft dem Baum gleichzeitig, mit einem verringerten Wurzelraum gut zurechtzukommen.
Durch die enge Begleitung der Arbeiten und das vorausschauende Handeln von Johannes Pätzold und seinem Team können Risiken frühzeitig erkannt und minimiert werden. So bleibt der wertvolle Baumbestand bestmöglich erhalten.
Nachhaltige Wege für kommende Generationen
Ein sichtbarer Gewinn ist die Entsiegelung: Der alte Asphalt verschwindet, stattdessen entstehen naturnahe Wege. Der Hauptweg wird mit einem hochwertigen polygonalen Pflaster gestaltet, die Nebenwege erhalten eine wassergebundene Wegedecke.
Das sieht nicht nur schön aus und lässt sich im Zweifel leicht reparieren – es tut auch den Bäumen gut. Regenwasser kann versickern, die Wurzeln werden optimal versorgt. „Bäume lieben solche durchlässigen Böden“, sagt Pätzold. Schon nach kurzer Zeit wachsen feine Wurzeln wieder in die neuen Tragschichten hinein.
Kleine Änderungen, große Wirkung – weit über 2027 hinaus
Der Verlauf der Wege bleibt weitgehend unverändert. Lediglich an einer sensiblen Stelle wurde ein Weg im Sinne des Baumschutzes angepasst. Durch die Verlegung konnte ein besonders wertvoller Baum dauerhaft erhalten werden.
Die Wegesanierung ist Teil der umfangreichen Daueranlagen, die im Rahmen der Landesgartenschau entstehen und Bad Windsheim weit über das Jahr 2027 hinaus prägen werden. Die Umweltbaubegleitung ist dabei eine zentrale Voraussetzung und wurde im Genehmigungsverfahren festgelegt. In enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden wird so sichergestellt, dass Natur- und Denkmalschutz Hand in Hand mit der baulichen Entwicklung
Markierung der Wurzeln im Wegekoffer (Bild: Bayerische Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 GmbH)
Fähnchen zur Wurzelmarkierung neben neuer Tragschicht (Bild: Bayerische Landesgartenschau Bad Windsheim 2027 GmbH)